Bild von Vanessa HIndinge rmit dem Titel: Der Umstieg uaf die Elektroflotte bei der EnBW

Vanessa Hindinger, Teamleiterin Mobilität gibt Einblicke wie die Umstellung auf Elektromobilität der Poolfahrzeuge bei der EnBW abgelaufen ist und was es zu beachten gibt.

Frau Hindinger, welche Hürden gab es bei der Umstellung auf Elektromobilität und wie habt ihr diese gemeistert?

Eine der größten Hürden war das Gesamtsystem: Verfügbarkeit geeigneter Modelle für unterschiedliche Einsatzprofile, von City-Trips bis zu Montagen im Schwarzwald. Während der Corona-Zeit waren die Lieferzeiten eine zusätzliche Herausforderung. Unser Fuhrpark hat uns hier bei der Beschaffung stark unterstützt. Dann die Ladeinfrastruktur am Standort und klare Nutzungsregeln. An unserem Konzernhauptsitz in Karlsruhe war es anfangs schwierig, nach Geschäftsreisen freie Ladepunkte zu finden. Wir haben daraufhin ein extra Ladeareal mit rund 75 Ladepunkten nur für E-Poolfahrzeuge gebaut.

Parallel haben wir mit einer „Lade-Netiquette“ und Umpark-Prozessen gearbeitet, bis die Infrastruktur nachgezogen hat. Unsere Ladeinfrastruktur umfasst über 1.400 Ladepunkte an über 135 Standorten, und wir investieren jährlich rund 2 Millionen Euro in den weiteren Ausbau mit unseren Partnern Netze BW und ChargeHere GmbH. Eine weitere Hürde war die Genehmigungs- und Sicherheitslage in Tiefgaragen. Ältere Gutachten zu Versicherung und Brandschutz mussten neu bewertet werden. Wir haben das durch erneute Prüfungen und abgestimmte Maßnahmen gelöst. Auch das Onboarding spielt eine große Rolle. Viele hatten anfangs Berührungsängste mit unserem rein elektrischen Fahrzeugpool von 200 Fahrzeugen an 6 Standorten. Wir setzen auf Videoanleitungen, Roadshows vor Ort und monatliche Fahr-Ersteinweisungen, um alle Nutzenden gut auszustatten.

Wie genau seid ihr vorgegangen, gibt es konkrete Schritte, die du anderen empfehlen würdest?

Bei uns hat sich ein pragmatischer, wiederholbarer Ablauf bewährt:

01 / Flotte segmentieren nach Einsatzprofilen.
Nicht jedes Einsatzgebiet ist sofort geeignet. Einige Monteur- und Flächeneinsätze haben durch Zuladung und Anhängelast noch Grenzen. Wir starteten mit einfachen Use Cases: Fahrten zwischen unseren Standorten in Deutschland, Teamworkshops mit mehreren Personen oder Anreisen zu Kunden und Partnern.

02 / Infrastruktur parallel hochziehen, bevorzugt getrennt nach Nutzergruppen.
Wir haben sehr gute Erfahrungen mit separaten Ladebereichen nur für Poolfahrzeuge gemacht.

03 / Change und Befähigung ernst nehmen.
Roadshows, Live-Laden, regelmäßige Fahrunterweisungen, kurze Tutorials und Videos, Unternehmenskommunikation und klare Buchungs-, Rückgabe- und Ladeabläufe helfen, Hemmschwellen abzubauen.

04 / Betrieb und Ownership klären.
Ein stabiler Betrieb der internen Ladeinfrastruktur und der Prozesse rund um AZOWO und die E-Poolfahrzeuge im Team sind entscheidend.

Wie haben die Mitarbeiter auf die Umstellung reagiert? Welche Überzeugungsarbeit war nötig?

Die Reaktionen waren gemischt: Viele waren neugierig, andere hatten Respekt vor dem ersten Laden. Genau dafür haben wir niedrigschwellige Formate aufgebaut: Roadshows, Mitmach-Elemente, Material zum Mitnehmen und Tutorials. Einfache, klare Antworten lösen sehr viel Unsicherheit auf.

Welche versteckten Kosten sollten Unternehmen einkalkulieren und wo lässt sich sparen?

Kosten entstehen häufig nicht beim Fahrzeug, sondern bei Betrieb und Prozessen: Flächen, Markierung, Beschilderung, Regelkommunikation, Fehlparken und Zusatzaufwand in Engpassphasen. Auch Schulungen der Mitarbeitenden und Customer Support müssen einkalkuliert werden. Sparen lässt sich, wenn man dedizierte Ladebereiche schafft und den Betrieb stabil organisiert. Das reduziert Umpark-Aufwände und erhöht Verfügbarkeit.

Wie managt ihr Reichweite und Routenplanungim Alltag?

Wir managen das primär über passende Fahrzeugklassen und klare Nutzerführung. Fahrzeuge sind nach Reichweiten- und Einsatzprofilen strukturiert, und über AZOWO wird das passende Fahrzeug je Zeitraum und Standort buchbar gemacht. Zusätzlich reduzieren wir Unsicherheit durch eine gute Nutzerführung: Roadshows, Laden live, Kurzvorträge und Tutorials. Außerdem erhalten alle bei der Schlüsselausgabe die EnBW mobility+ Ladekarte mit dazu und die EnBW mobility+ App mit integriertem Routenplaner findet sich auf fas allen Firmenhandies.

Wie lange hat der Prozess der Elektrifizierung gedauert?

Elektrifizierung ist bei uns kein Projekt mit einem Stichtag, sondern ein kontinuierlicher Transformationsprozess. Veränderungen in der betrieblichen Mobilität sind ein fortlaufender Prozess, beeinflusst durch Technik, Wirtschaft und Regulierung. Konkrete Meilensteine: Die Umstellung auf die E-Flotte hat aufgrund der unterschiedlichen Leasingenden 3 bis 4 Jahre gedauert. Die Ausschreibung, Entscheidung und Einführung von AZOWO zwischen 1 und 1,5 Jahren.